Kamera-Team bekam Zutritt: So sieht es in den Apple Fabriken aus (Arbeitsbedingungen)
Autor: Daniel
Datum: 22.02.12, 21:27
Es ist eine kleine Sensation: Erstmals hat Apple einem Kamera-Team Zugang zu den eigenen Produktionsstätten gewährt. Ein Team des US-Senders ABC konnte einige Tage lang in einer Fabrik von Foxconn, dem größten Apple Zulieferer, in Chengdu (China) filmen. Heraus kam eine interessante Reportage, die uns erstmals wirklich den Arbeitsalltag der iPhone- und iPad-Fertiger zeigt. Auch wenn eure Englisch-Kentnisse nicht die besten sind, ihr solltet euch das Video oben oder die beiden Videos am Ende dieser News unbedingt anschauen - denn schon die Bilder allein sind sehr aussagekräftig.
Die Reportage zeigt den Alltag von Menschen, die bei einer Wochenarbeitszeit von 60 Stunden (12h pro Tag) etwa 1,78 Dollar pro Stunde verdienen. Menschen, die Tag für Tag eine absolut monotone Arbeit im Akkord erledigen, in kleinen 8-Bett-Zimmern leben und ihre Familien oder Kinder oft nur einmal im Monat sehen. Aufgrund der hohen Selbstmord-Raten wurden vor den Fenstern der Arbeiter-Wohnungen Netze installiert, die den Menschen das Leben retten sollen. Das Zimmer kostet pro Monat 17,50 Dollar, das Essen pro Tag etwa 70 Cent.
141 Schritte sind zum Bau eines iPhones nötig, beim iPad sind es 325. 5 Tage dauert es bis ein iPad fertig gestellt ist. Viele Mitarbeiter wissen gar nicht, wie ein fertiges iPad oder iPhone aussieht, sie sind immer nur für ihr jeweiliges Bauteil zuständig. Niemand von ihnen wird sich je ein iPad oder iPhone leisten können.
Die Reportage wirft viele Fragen auf. Kann man solch eine Produktion als "fair" bezeichnen? Im Vergleich zu manch anderer Fabrik (z.B. Fabriken, in denen Kleidung hergestellt wird) dürfte Foxconn ein sehr humaner Arbeitgeber sein, doch mit westlichen Standards ist das trotzdem nicht vergleichbar. Kann man von 2 Dollar pro Stunde leben? Ist solch eine Bezahlung bei einem 12 Stunden Akkord "gerecht"? Warum bewerben sich so viele junge Menschen um einen Job bei Foxconn und Co.? Der Film zeigt auch die Armut der Menschen in den ländlichen Regionen Chinas. Sind diese Menschen dankbar dafür, Produkte für den Westen fertigen zu dürfen?
Man fragt sich natürlich auch: Warum ließ Apple das Kamera-Team eigentlich in die Fabrik? Man kann bei dem Video nun nicht unbedingt von positiver Publicity für Apple sprechen. Wollte Apple einfach den Kunden ein Bild der eigenen Fabriken geben? Vielleicht sogar eine Art moralische Diskussion anregen?
Als der Reporter im Video eine junge Chinesin, die erstmals ein iPad, an dem mitgearbeitet hat, in den Händen hält, fragt, was sie den Menschen da draußen sagen wöllte, antwortet sie: "Dass ich daran mitgearbeitet habe". Und dass die Menschen sorgsam damit umgehen sollen, denn es stecke eine Menge Arbeit in dem Produkt.