Arbeitsbedingungen: Erneut schwere Vorwürfe gegen Apple


Autor: DanielDatum: 26.01.12, 21:28



Vor kurzem ging es hier im Blog schon einmal um die Arbeitsbedingungen unter denen die neuesten Apple Produkte in Fernost produziert werden. In einem eigenen Supplier Responsibility Report musste Apple große Missstände eingestehen - angefangen bei einer zu geringen Sicherheit am Arbeitsplatz über Wochenarbeitszeiten weit über sechzig Stunden bis hin zu Kinderarbeit war alles dabei. Die New York Times hat diese Woche einen sehr ausführlichen Artikel veröffentlicht, der einerseits zeigt, warum die Fertigung in China für Apple so viele Vorteile hat, andererseits aber auch den Eindruck erweckt, dass die Bemühungen des Apfel-Konzerns, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, mehr Schein als Sein sind.

Gleich zu Anfang gibt es ein interessantes Statement: Die Fertigung der iPhones in den USA würde gerade einmal 65 Dollar mehr pro Gerät kosten. Mit anderen Worten: Das Argument, die Produktion unter westlichen Standards wäre viel zu teuer, zieht nicht. Doch warum haben sich die Apple-Chefs dann dazu entschieden, ihre Technik in Fernost zusammenbauen zu lassen? Es sind die allgemeinen Rahmenbedingungen: Die Zulieferer in Fernost seien in der Lage, sich sehr schnell an die Wünsche ihrer Kunden anzupassen. Die New York Times führt hier ein Beispiel an:

Das iPhone der ersten Generation (2007) hatte bis einen Monat vor seinem Release einen Plastik-Bildschirm. Steve Jobs hatte allerdings festgestellt, dass das Display dann einfach viel zu schnell verkratzt. Gerade wenn man es in der Hosentasche mit seinem Schlüssel herumträgt, entstehen schnell Kratzer. Jobs war damit nicht zufrieden und wollte ein iPhone mit Glas-Display, das weniger schnell zerkratzt. Er flog nach China und sprach mit den Chefs der Fabriken. Binnen weniger Stunden konnten 8000 Menschen mobilisiert werden um eine 12-Stunden-Schicht zu schieben. Binnen 96 Stunden wurde die gesamte Fertigung auf das neue Glas-Display umgestellt.

Eine solche Flexibilität wäre sonst nirgendwo in der Welt gegeben. Doch all das geht natürlich zu Lasten der Arbeiter in den Fabriken. Die New York Times führt hierzu folgendes Statement an: Man könne entweder zu fairen Bedingungen in einem angenehmen Arbeitsumfeld produzieren oder jedes Jahr ein neues, besseres, schnelleres iPhone zu einem noch günstigeren Preis herstellen. Denn irgendwo muss gespart werden - und da trifft es meist die Arbeiter.

Die Arbeitskräfte stünden den ganzen Tag über in den Werkhallen, teilweise sieben Tage die Woche mit der Verpflichtung, ständig Überstunden zu leisten. Ein anonymer Apple Mitarbeiter erklärte gegenüber der NYT, es gäbe Missstände, die dem US-Konzern bekannt seien, aber oft jahrelang unberücksichtigt blieben. Die Fabriken könnten die Probleme von heute auf morgen lösen - Apple müsse nur die Anweisung dazu geben. Wäre ein iPhone fehlerhaft, würde der Fehler bei der Produktion innerhalb von wenigen Stunden behoben werden - bei den Problemen mit der Arbeitssicherheit passiert nichts.



Sollte doch einmal etwas passieren, dann immer nur soviel, dass das Verhältnis zwischen Apple und den eigenen Lieferanten nicht gestört würde und die Produktion der Geräte nicht gefährdet würde.

Ein Foxconn-Manager zieht ein düsteres Fazit: "Apple ging es immer nur darum die Qualität der eigenen Produkte zu verbessern und deren Kosten zu senken. Das Wohlbefinden der Arbeiter spiele für Apple keine Rolle."

Quelle 1
Quelle 2
Quelle 3


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Kommentar von Paddy (27.01, 21:49):

Es ist natürlich schade, dass Apple solche Arbeitsbedingungen wie "7 Tage in der Woche in der Werkhalle und verpflichtet sind Überstunden zu leisten" überhaupt zu lässt. Aber wenn man davon ausgeht, muss man bestimmt zugeben, dass Apple nicht das einzige Unternehmen ist das so denkt..

Puuh weiß grad nicht wie ich das so ausdrücken soll

Kommentar von Daniel (28.01, 10:35):

@Paddy Da hast du Recht, Apple ist bestimmt noch einer der "besten" Arbeitgeber da unten... Nur leider ist das immer noch weit von westlichen Standards entfernt...
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