Meinung: Apple und das fragwürdige Geschäft mit der Bildung...


Autor: DanielDatum: 21.01.12, 17:30




"We want to reinvent the text book." - Mit diesen großen Worten hat Phill Schiller am Donnerstag Nachmittag das neue iBooks und iBooks Author vorgestellt. Die Presse ist ziemlich begeistert, zurecht, denn diese neuen multimedialen Bücher könnten das Lernen tatsächlich vereinfachen und verbessern. Anstatt einen langen eintönigen Text zu lesen, kann der "digital offene" Mensch von heute Videos, Keynote-Präsentationen, interaktive Grafiken und Übungsaufgaben innerhalb eines Buchs betrachten bzw. lösen. Er kann sogar eigene Bücher mit iBooks Author schreiben und diese im iBookStore vertreiben. Ein tolles Konzept, das jungen Menschen den Weg zu einer neuen Art des Lernens öffnen könnte. Und all das macht Apple auch gleich noch wenig sympathischer: Ein Unternehmen, welches sich aktiv im Bildungssektor einsetzt und auch schwache Schüler durch neue Technologien erreichen möchte.

Diesen Eindruck gewinnt man zumindest beim Betrachten der Apple Homepage und des dazugehörigen Werbevideos. Doch blickt man hinter die Kulissen und liest das Kleingedruckte, dann eröffnen sich einige zumindest "fragwürdige" Details, die zeigen, dass das neue Bildungsgeschäft vor allem einen Vorteil hat: Es könnte Apple ein Milliardengeschäft einbringen.

Denn das gesamte Geschäft mit den interaktiven Büchern unterliegt der strengen Kontrolle von Apple. Und das heißt vorallem eins: Ohne iPad geht nichts. Die neuen Bücher sind ausschließlich für das Apfel-Tablet gemacht, eine iBooks-App für Android und Co. gibt's nicht.

Ziel soll es also sein, dass in der Schule von morgen jeder Schüler plus Lehrer ein iPad mit sich herumträgt, die Bücher allesamt über den iBookStore vertrieben werden und Hausaufgaben über iTunes U virtuell an die Schüler verteilt werden.

Wenn eine Schule also von den "dicken, schweren Büchern" auf die digitale Variante umsteigen möchte, dann muss sie wohl oder übel allen ihren Schülern ein iPad spendieren. Macht schlappe 500 Euro pro Schüler plus Extra-Kosten für den Kauf der Bücher (...an denen Apple natürlich 30% mitverdient).



Wir Europäer fragen uns da natürlich: Welche Schule macht das?! Nunja, in den USA wird das etwas lockerer gesehen, da macht sich auch niemand Sorgen darüber, dass man sich durch solche Aktionen von einem Anbieter quasi abhängig macht.

Und auch die Verleger mischen kräftig mit und werden ganz nebenbei zum Handlanger von Apple. iBooks Author ist zwar gratis und jeder kann mitmachen, doch ein Ausstieg bzw. Umstieg auf eine fremde Plattform ist nicht möglich. Die Lizenzbedingungen machen es deutlich:

Als Bedingung dieser Lizenz und unter der Voraussetzung, dass Sie deren Bestimmungen einhalten, darf Ihr Werk wie folgt verteilt werden:
(i) wenn Ihr Werk kostenlos (ohne eine Gebühr) bereitgestellt wird, haben Sie das Recht, das Werk mit jeglichen verfügbaren Mitteln zu verteilen;
(ii) wenn Ihr Werk gegen eine Gebühr (einschließlich als Teil eines Produkts oder Diensts auf Abonnementbasis) verteilt wird, dürfen Sie das Werk nur durch Apple verteilen, wobei diese Verteilung den folgenden Einschränkungen und Bestimmungen unterliegt: (a) Sie sind verpflichtet, einen separaten, schriftlichen Vertrag mit Apple (oder einem Partner oder Tochterunternehmen von Apple) zu schließen, bevor eine kommerzielle Verteilung Ihres Werks erfolgen darf; und (b) Apple hat das Recht, Ihr Werk aus jeglichem Grund und nach eigenem Ermessen nicht zur Verteilung auszuwählen.

Heißt: Jedes mit iBooks Author geschriebene Buch, das kostenpflichtig verkauft wird, darf nicht auf fremden Plattformen angeboten werden. Apple hat unabhängig davon auch das Recht frei zu entscheiden, welches Buch in den Store darf und welches nicht.

Da fragt man sich schon: Wo ist hier die Offenheit? Warum kann man die iBooks-App nicht auch für andere Plattformen öffnen? Warum darf ich die digitalen Bücher nicht mal auf meinem Mac, meinem Windows-Rechner oder meinem Android-Tablet betrachten? Warum darf ich als Verleger mein interaktives Buch nur über den iBookStore vertreiben? Klar, Apple ist auch nur ein Unternehmen und will daran mitverdienen, doch warum setzen die neuen Bücher unbedingt den Kauf eines iPad voraus?

Gerade Apple propagiert die Offenheit doch ständig: Flash wird wegen seiner "Geschlossenheit" nicht unterstützt, HTML5 sei stattdessen die Technologie von morgen und plattformunabhängig.

Da kann man nur hoffen, dass die Prognose unseres Lesers @paddy stimmt: Dass die Konkurrenz auch schon etwas ähnliches in der Mache hat.

Gerade Amazon macht es mit der eigenen, wirklich plattformunabhängigen Kindle-App vor. Die dort gekauften Medien können wirklich auf jedem Gerät betrachtet werden - egal ob iOS, Android, Windows oder Mac. Auch die Aufnahme-Richtlinien sind bei Amazon transparenter gestaltet.

Die Plattformunabhängigkeit ist wichtig, denn nicht jeder kann sich ein iPad leisten. Bildung (und die dafür geeigneten Technologien) müssen für jeden zugänglich sein - egal wieviel er verdient und aus welcher Schicht er kommt. Der Vertrieb darf nicht von einem einzigen Unternehmen kontrolliert werden. @Cadamdraft3D hat es so formuliert:

[...] Nun denke ich, dass Bildung eine gesellschaftliche und politische Aufgabe ist und nur bedingt für Unternehmen. Die Gefahr besteht, dass Bildung zu einem Luxusgut wird und nur die es sich leisten können, haben Zugang. Es kann also nur sinnvoll sein wenn diese auch allen zugänglich ist und das glaube ich weniger.



Google+
 
Kommentar von Hannes Flo (21.01, 19:42):

Die Schule muss halt das iPad 1 mal kaufen und hat es dann solange bis es kaputt geht, also nicht für jedern Schüler 500€

Das mit dem "darf nicht auf anderen Plattformen verwendet werden" betrifft iBooks Author. Ob sie damit jetzt meinen, dass man das von iTunes Author nur am iPad verkaufen darf, und nebenbei ein mit einem anderen Programm erstellten Buch schon auf anderen Quellen angeboten werden darf, wird sich herausstellen

Ist aber auch logisch, iBooks Author ist auf das iPad eingestellt. Es ist auf die Auflösung, Betriebssystem und allem drum herum genau angepasst, logisch dass es auf anderen (Android) Tablets nicht laufen würde.

Aber ich stimme dir/euch vollkommen zu, Apple ist ziemlich Geldgierig und verschlossen. Weil es halt Apple ist. Amazon z.B. hat jetzt nicht den Kult Status, sie schauen ihr Produkt möglichst vielen Kunden anzubieten, auch wenn sie ein eigenes Tablet/eigenen Reader haben.

Kommentieren

Dein Name:
Dein Text:
 


© 2008-2012 by Softnation.de || Impressum || Haftungsausschluss || RSS
Twitter, FaceBook und RSS-Icon von sfaranda, klee

Bloggeramt.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de