Arbeitsbedingungen: Apple gesteht große Missstände bei Zulieferern ein


Autor: DanielDatum: 14.01.12, 20:46



Es fällt uns heute kaum mehr auf, denn es ist Alltag: Fast alle technischen Geräte, die wir erwerben, kommen aus Entwicklungsländern, oft aus China. Meist ist es nur eine kleine Angabe auf deren Rückseite, "Made in China", die uns auf die Herkunft hinweist. Dieser Hinweis selbst spielt für uns kaum eine Rolle, es ist vielmehr der günstige Preis der Geräte, der durch die "kostengünstige Produktion" erreicht werden kann. Doch jeder weiß auch, wo gespart wird: Vorallem an den Lohnkosten. Es muss so billig wie möglich produziert werden. Mit anderen Worten: Die Länder, wo die Menschen am meisten ausgebeutet werden können, sind am attraktivsten. Hungerlöhne, unbezahlte Überstunden, Wochenarbeitszeiten weit über 50 Stunden, harte Bestrafungen und mangelnde Sicherheit am Arbeitsplatz - all das gehört dazu.

Als Apple Kunde hofft bzw. denkt man Produkte in den Händen zu halten, die zu humanitäreren Bedingungen produziert wurden. Dass das ein Trugschluss ist zeigt der jährlich veröffentlichte Supplier Responsibility Report des US-Konzerns. Darin werden die Arbeitsbedingungen bei den eigenen Zulieferern in den Entwicklungsländern analysiert und bewertet. Eine freiwillige und eigentlich auch löbliche Initiative, die aber immer wieder zeigt, dass von den guten Vorsätzen jedes Jahr wenig übrig bleibt.

Und auch dieses Jahr legt der Bericht Missstände offen, die man so von Apple nicht unbedingt erwartet hätte. Ein besonders krasses Beispiel: Gerade einmal 38 Prozent der Apple Zulieferer garantierten ihren Mitarbeitern eine maximale 60-Stunden-Woche und mindestens einen freien Tag pro Woche. Bei allen anderen Firmen wurde noch mehr gearbeitet - und das teilweise unbezahlt.



Ein Dritter der Zulieferer hielt Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit gefährlichen Stoffen nicht ein, in ebenso vielen Fällen wurde ein mangelnder Schutz vor Arbeitsplatzunfällen festgestellt. Auch die Kinderarbeit ist immer noch ein Problem - in sechs Fällen wurden Kinder in den Apple Fabriken gefunden, in weiteren 13 Fällen ist bekannt geworden, dass Mitarbeiter schon vor ihrer Volljährigkeit in den Produktionshallen ganztägig gearbeitet haben.

Apple will die Zustände im kommenden Jahr von der Fair Labor Association, einer unabhängigen Vereinigung zum Schutz der Arbeitsrechte in Schwellenländern, prüfen lassen. In zwei Jahren sollen alle Mängel beseitigt sein. Mit diesem Vorhaben sei Apple nach eigenen Angaben der Vorreiter der Branche.

Es ist natürlich schön zu hören, dass Apple in zwei Jahren die eigenen Produkte zu humanitären Bedingungen herstellen lassen will. Doch was heißt schon humanitär? Kann Apple stolz darauf sein, dass in den eigenen Fabriken keine Kinder beschäftigt werden und die Menschen "maximal" 60 Stunden pro Woche arbeiten? Dass sie nicht in den Kontakt mit giftigen Substanzen kommen? Wohl kaum. "Fair produziert" werden Apple Produkte wohl auch in den kommenden Jahren nicht. Und das ist vorallem bei deren Preis und Image wirklich schade.

Quelle
Bild: Apple


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