Kommentar: Telekom will Netzneutralität aufheben


Autor: DanielDatum: 21.07.10, 20:58





Der Begriff "Netzneutralität" mag euch nichts sagen, doch er ist unglaublich wichtig und für uns Alle bisher selbstverständlich. Netzneutralität bedeutet, dass alle Pakete im Internet vollkommen gleich behandelt werden: Es ist egal, von wem sie stammen, was sie beinhalten und wohin sie gehen - alle werden gleich schnell transportiert.

Doch in heutigen Zeiten nimmt der Traffic immer weiter zu. Seiten wie YouTube, VOIP-Dienste oder Online-Rollenspiele produzieren einen enormen Datenstau, dem die Provider Herr werden müssen. Dazu ist vorallem eine gute Infrastruktur im Datennetz wichtig. Doch wie immer stellt sich die Frage: Wer soll das bezahlen?

Bisher sind es die Kunden, die entweder zur Kasse gebeten werden oder Nachteile in Kauf nehmen müssen. So muss man für DSL 16000 eben mehr als für DSL 2000 bezahlen. Besonders im Mobilfunk wird dies deutlich, wo nach bestimmten Trafficvolumen "der Hahn zugedreht wird" und man mit GPRS-Geschwindigkeit unterwegs ist. Dies ist insofern "fair", weil die "Demokratie" des Internets nicht gefährdet wird - lediglich die Geschwindigkeit, mit der man online ist, wird vom Preis abhängig.

Die Telekom will nun aber auch die Anbieter von Online-Services zur Kasse bitten: So soll beispielsweise Google für YouTube an die Telekom extra Abgaben entrichten. Grund sei der hohe Traffic. Zahlt Google nicht, würde die Webseite im Telekom-Netz nur noch mit einer geringeren Geschwindigkeit erreichbar sein - egal wieviel Bandbreite man zu Hause hat. Die Telekom betont, man würde hier keine "Zensur" durchführen - das Netz bliebe offen.

Doch hier liegt der Trugschluss. Verteilt man unterschiedlich schnelle Internet-Zugänge (also die Bandbreite zu Hause), so wird das Internet-Angebot nicht verändert. Hat man DSL 2000 geht eben alles ein wenig langsamer. Bittet man dagegen Anbieter von Online-Diensten wie Google mit YouTube zur Kasse, so wird das Angebot im Internet beeinflusst und damit die Neutralität aufgehoben. Zahlt ein Anbieter nicht, kann die Telekom ihn künstlich so "verlangsamen", dass der Aufruf des Dienstes bzw. der Zugang zur Information erschwert wird. So könnte der Zugriff auf den Video-Content von Wikipedia zukünftig nur noch schwer möglich sein. Größere Unternehmen könnten ihre Webauftritte beschleunigen und kleine Firmen, die sich die Abgabe an die Telekom nicht leisten können, hinten anstehen lassen. Durch diese Maßnahmen wird es ermöglicht, die "Demokratie" im Internet aufzuheben, bestimmte Informationen künstlich "hervorzuheben", da sie schneller erreichbar wären.

Dies ist ein gefährliches Vorhaben seitens der Telekom. Ob sie dabei weit kommen wird, ist fraglich: Bereits im Koalitionsvertrag der Schwarz-Gelben Union wurde festgeschrieben, dass Netzneutralität zu wahren ist. Auch gibt es bereits Forderungen nach einem Schutz der Netzneutralität durch die EU. Hoffen wir, dass solch ein Schutzmechanismus bald in Kraft tritt.

Tags:
Telekom, Netzneutralität, Debatte, Diskussion, Eröterung, Folgen
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